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1 Reportage peter kroeger

Foto: © Privatarchiv Peter Kröger


Reportage über die Hausboote sowie den Hafenverein Hameln e.V. im "journal am Sonntag" (Anzeigen und Nachrichten aus Hameln und dem Weserbergland) vom Sonntag, den 24. August 2008 (14. Jahrgang / Nr. 34).

                                                                                von Alda Maria Grüter

Ein schwimmendes Heim in Hameln - Andreas Engelhardt erfüllte sich einen Traum

Andreas Engelhardt und Bernhard Mandla stehen auf der Bootsveranda, lassen den Blick über den Hafen schweifen. Das Wasser glitzert in der heißen Sommerluft. Du mpfes Blubbern und Gluckern, hier und da strecken Fische ihre Mäuler aus dem Wasser, um gleich wieder abzutauchen.

"Ein wunderschönes Fleckchen Erde !", sagt Andreas Engelhardt. Der 48-Jährige macht nicht etwa Urlaub am Wasser, auch gehört er nicht zu dem Kreis zahlungskräftiger Großstädter, die sich ein schickes Floating-Boat in Berlin oder London mieten. Andreas Engelhardt wohnt auf dem Wasser.

Im alten Hamelner Schutzhafen liegt die "Liberty", ein 70 Jahre altes Boot, das er zu einem schmucken schwimmenden Heim umgebaut hat.
Den Traum der kleinen Freiheit Nummer Null im Senator-Meyer-Weg hat sich Andreas Engelhardt vor einigen Jahren erfüllt, als er beschloss, ein altes Boot zu restaurieren. 1999 bezog er mit seiner Frau Ming Mei Cheng-Engelhardt und der 18-jährigen Tochter Shin Tien die "Liberty".

"Hier hat man das Gefühl, auf der eigenen Insel zu sein - weit weg vom hektischen Stadtleben." Nie würde er das Haus auf dem Wasser gegen ein Haus an Land eintauschen.
Reportage Hausboote Hafenverein Hameln August 2008 05a

In Holland gang und gäbe

"Was beispielsweise in Holland gang und gäbe ist, ist in Deutschland noch eine Seltenheit", sagt Engelhardt. Hausboote gebe es nur in Hamburg, Berlin und Frankfurt - und eben in Hameln. Zwei Familien aus Berlin besitzen Hausboote am Hamelner Hafen, nutzen diese allerdings nur als Ferien- und Wochenendhäuschen. Die Engelhardts sowie Günter Schulte und seine 82-jährige Mutter hingegen haben dort ihren festen Wohnsitz.
Was sie miteinander verbindet: die Liebe zu dem alternativen Wohnmodell.
Und zum Hamelner Hafen: "Uns geht es insbesondere darum, den alten Schutzhafen in seiner Form - und damit ein Stück Geschichte der Weserstadt - zu erhalten", sagt Bernhard Mandla. Er ist der Vorsitzende des Hafenverein Hameln e.V., der 2002 auf Initiative von Andreas Engelhardt gegründet wurde. Es habe nämlich Überlegungen gegeben, den Schutzhafen der Stadt zuzuschütten - das zu verhindern, hatten sich die Hafenfreunde auf die Fahnen geschrieben. Sie haben den Hafenbereich entrümpelt, Schiffswracks verschrottet, alte Boote zu hübschen Wohnstätten umgebaut. Und das Image des Hafen grundlegend gewandelt - vom "ehemaligen Schandflecken", so Mandla, zu einem idyllischen Ort. 50 Mitglieder ziehen an einem Strang: Sie kümmern sich um die Erhaltung und Pflege des Hafens und der Deiche, setzen sich außerdem für den Umwelt- und Naturschutz ein - alles unentgeltlich.

Insgesamt sieben Boote, darunter das Vereinsheim "Task", liegen im Hamelner Schutzhafen vor Anker. "Man lebt hier anders, als an Land. Entspannter, ruhiger", sagt Andreas Engelhardt und öffnet die Tür zum schwimmenden Heim. Etwa 120 Quadratmeter ist die "Liberty" groß. Für 5.000 Mark habe er das Boot gekauft. Um es bewohnbar zu machen, insgesamt 35.000 Euro ("reine Materialkosten") hineingesteckt. - "und es ist noch lange nicht fertig.". Alles, was Andreas Engelhardt über das Umbauen von Schiffen weiß, hat sich der gelernte Kabelmonteur selbst beigebracht. Besondere wasser- und baurechtliche Auflagen müßten eingehalten werden. Handelsübliche Putzmittel oder Farben etwa dürften aus Gründen des Umweltschutzes nicht verwendet werden.
Reportage Hausboote Hafenverein Hameln August 2008 05

"Auf dem Wasser baut man anders als an Land." Steine haben als Baumaterial nichts zu suchen auf den Hausbooten. "Der Fußboden besteht aus Holzbohlen und darf nur lose verlegt werden, damit man den Rumpf des Schiffes von innen instand setzen kann." Soll heißen: Möbel und Holzbohlen müssen jedes Mal raus. Klar, dass es da ratsam ist, eine Einrichtung zu wählen, die leicht zu verrücken ist. Sperrige Einbauküchen und -möbel kämen gar nicht erst in die Stube. Trotzdem - oder gerade deswegen - sei es gemütlich im Hausboot, meint Engelhardt.
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"Man muss eigentlich auf nichts von dem verzichten, was es ein einem Land-Haus gibt." Das Abwasser werde in einem 1000-Liter-Tank aufgefangen, von dort in das städtische Kanalisationsnetz gepumpt. "70 Meter Kanalisation hat der Hafenverein in Eigenleistung belegt", erklärt Bernhard Mandla. Ein Brunnen liefere den größten Teil des in den Haushalten benötigten Wassers. Trinkwasser indes würden Vereinsmitglieder in Kanistern von zuhaus mitbringen. Mandla: "Ein fester Trinkwasser-Anschluss ist in Planung, aus finanziellen Gründen aber nicht durchführbar."

Wohlige Wärme liefert ein Holzofen

Auich eine Zentralheizung gebe es nicht, dafür liefere ein Holzofen wohlige Wärme im Winter. Strom beziehen die Bootsbewohner von den Stadtwerken Hameln - die im Übrigen das Projekt ideell unterstützen. Und da ein Hausboot keine klassische Immobilie ist, habe man keinen Grund und Boden erworben. "Wir pachten den Liegeplatz von den Stadtwerken", sagt Andreas Engelhardt.

Das Leben auf einem Hausboot ist allerdings nicht unbedingt preiswert, müßiggängig schon gar nicht. Engelhardt: "Ob Rost entfernen, Außenanstrich oder Lecks ausbessern - es gibt immer etwas zu tun, ständig muss gewartet, ausgebessert und repariert werden."

Wahrscheinlich nichts für bodenständige Landratten, das schaukelnde Quartier auf Wasser und Wellen. "Für uns Boat-People aber gibt es keine Alternative. Nach drei Tagen in einem richtigen Haus zieht es mich zurück auf die "Liberty"", sagt Engelhardt und zeigt auf das glitzernde Wasser. "Wer hat schon so einen großartigen Pool hinter dem Haus ?"
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